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Der Hummer

Jahrelang hat Karl Geiger, Importeur von US-Autos, am Geländewagen Hummer gut verdient. Doch zuletzt stockte der Nachschub, und ob er das Trumm noch einmal bekommt, ist nicht absehbar. Nun feiert der Münchner Händler den Abschied mit dem Modell H2 .

Das Böse hat einen Namen: Hummer. Kein anderes Fahrzeug gilt Autokritikern als derart antiquiert und überflüssig wie der dicke Brummer aus dem General-Motors-Imperium. Vor knapp 20 Jahren als “High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle” - offiziell HMMWV und lautsprachlich Humvee - für die US-Armee entwickelt und dann unter dem Namen Hummer auch an geltungssüchtige Zivilisten verkauft, wurde der Geländegigant in der Klimaschutz-Debatte zum Inbegriff der überflüssigen Dreckschleuder und zum Beleg für die Unbelehrbarkeit der US-Hersteller. Dabei gab es neben dem militärischen H1 längst auch den etwas zivilisierten H2 und den vergleichsweise kleinen H3 - nicht größer ist als ein Mercedes GL oder ein Toyota Land Cruiser.

hummer

Doch die Positionen sind betoniert, der Hummer hierzulande als Klimakiller abgestempelt und ohnehin eine aussterbende Art. Im ersten Halbjahr 2009 zählte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg keine hundert Zulassungen. Dennoch hat der im ersten Golfkrieg bekannt gewordene Allradler, der es immerhin aus den Straßen von Bagdad auf die Boulevards von New York, München oder Moskau schaffte, eine kleine Fangemeinde, die trotzig nach dem Motto “jetzt erst recht” verfährt. Weil man mit dem Auto ohnehin am Pranger steht und Provokation den Reiz nur vergrößert, üben sich diese Kunden nicht gerade in Zurückhaltung: Also wird der Hummer in schillernden Farben geordert und ihn mit reichlich Chrom aufgebrezelt.

Kaum jemand in Deutschland weiß das besser als Karl Geiger. Als einer der größten Importeure für US-Fahrzeuge und zudem offizieller Hummer-Händler hat der Münchner Autohändler die Offroader in guten Jahren zu Dutzenden auf die Straße gebracht - durchaus auch stark modifiziert. Hummer wurden von Geiger bereits als Monster-Pickup, Nikolaus-Dienstwagen oder mit Flügeltüren ausgeliefert. Jetzt, zum Finale, dreht Geiger noch einmal ein dickes Ding und bietet Sondermodell H2 Latte Macchiato an - größer, stärker und glänzender als alles zuvor.

Blickfang des unten dunkel- und oben hellbraun lackierten Autos, das innen mit Leder in den gleichen Farben ausgeschlagen und mit Klavierlack getüncht ist, sind die verchromten Felgen. “30-Zoll mit dem Segen des TÜV, das hat in Deutschland sonst keiner”, sagt Geiger stolz, der die Felgen eigens in China fertigen ließ.

Der Motor des knapp drei Tonnen schweren Autos wurde getunt

Weil zu einer Latte Macchiato ein Espresso gehört, hat Geiger auch kräftig am Motor gearbeitet. Ein Kompressor steigert die Leistung des 6,2 Liter großen V8-Triebwerks von knapp 400 auf 547 PS und treibt das maximale Drehmoment auf 763 Nm. Damit macht der H2 beinahe mehr Lärm als ein Jumbo-Jet beim Start und wuchtet sich in 6,9 Sekunden auf Tempo 100.

Wie viel der schillernde Showstar kostet, der fast drei Tonnen wiegt, kann Geiger noch gar nicht sagen. “Etwa 180.000 Euro habe ich rein gesteckt”, sagt er. Jahrelang verdiente er prima mit dem Auto, da sollte es zum Schluss nicht knickerig aussehen. “Die Zukunft des Modells ist ungewiss”, erklärt Geiger. So kann man es sagen nach der Pleite des europäischen Zentralimporteurs Kroymans und angesichts der Probleme bei General Motors und des geplanten Verkaufs der Marke. “Gerade habe ich noch einmal zehn Fahrzeuge bekommen. Aber wie es danach weitergeht, kann ich nicht sagen. Gut möglich, dass das die letzten Hummer für Deutschland waren”, sagt Geiger. Sein Sondermodell kommt also gerade recht. “Das Beste zum Schluss.”

Die Zukunft der Marke Hummer scheint ungewiss

Ganz so schwarz wie Geiger sieht man die Lage bei General Motors in Rüsselsheim nicht, doch wirklich klare Angaben kann Firmen-Sprecher Manfred Daun auch nicht machen. “Es wird im Moment eine neue Struktur aufgebaut, mit der die europäische Versorgung sichergestellt werden soll”, sagt Daun. Das gelte nicht nur für Neuwagen, sondern mehr noch für das Werkstatt- und Service-Geschäft. Außerdem werden wohl gerade die Lagerfahrzeuge aus der Konkursmasse herausgekämpft, um an neue Autos zu kommen. “Bis das erledigt ist, kann man den Hummer zwar bei jedem Händler bestellen”, sagt er, “aber einen konkreten Liefertermin können wir nicht zusichern.”

Das macht die Sache für Interessenten heikel. Schließlich hat General Motors im Strudel der Krise den Verkauf der Marke beschlossen, um wenigstens etwas Geld in die zu bekommen. Seit Juni gibt es auch einen potenziellen Käufer: Die chinesische Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery Co. - bislang vor allem bekannt für Baumaschinen und andere Spezialfahrzeuge. (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,628312,00.html) . Offiziell gibt es eine gemeinsame Absichtserklärung und die Zusage der Chinesen, das Werk zu übernehmen und in die Marke zu investieren. Doch seitdem die Partner lautstark die Botschaft verkündeten, ist es um den Deal verdächtig still geworden. Und so gilt vorläufig: abwarten und Latte Macchiato trinken.

Quelle: spiegel.de

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