Archiv für 28. November 2008
Lehrlinge und Probleme
Lehrlinge haben Probleme, sagen manche Lehrlinge von sich selbst. Lehrlinge machen Probleme, sagt hingegen so mancher Ausbilder. Besonders in Handel und Handwerk scheint es erhebliche Differenzen zu geben. Sicher: die Pisa-Studie zeigt uns immer wieder, dass schon in der schulischen Ausbildung Defizite vorliegen. Aber eigentlich fängt alles schon im Elternhaus an. Viele Eltern haben keine Zeit oder kein Interesse, sich um ihre Kinder zu kümmern. Sie wälzen die Erziehungspflicht auf Kindergärten und Schulen ab. Dass Schulen aber nur in geringem Umfang einen Erziehungsauftrag haben, blenden viele Eltern aus. Schließlich steht der Lehrauftrag bei den Schulen im Vordergrund. Wenn dann aber erst erzieherische Grundlagen geschaffen werden müssen, geht es bei so manchem Lehrer an die Substanz. Weil ihnen hierzu auch die Ausbildung fehlt. In vielen Fällen ist es aber dann leider so, dass der Auftrag der Schule nur mangelhafte Resultate bei den Schülern hinterlässt. Dass dann Betriebe aus Handel, Handwerk, Gastronomie und Hotellerie nicht wirklich motiviert sind, auszubilden, dürfte einleuchten. Denn in diesen Fällen sind Auszubildende so richtig teuer, weil zunächst Allgemeinwissen zu vermitteln ist um eine Grundlage für das berufliche Fachwissen zu schaffen. Dadurch kann so manche Ausbildung bis zum nächsterreichbaren Prüfungstermin länger dauern. Und dass das nicht produktiv sein kann, ist klar. Sicher entsteht auch ein zusätzlicher Aufwand, der den Umsatz schmälert. Und diese Umsatzeinbußen addieren sich mit den Umsatzrückgängen, die durch die momentane Wirtschaftskrise verursacht werden. In solchen Situationen wäre es zum Beispiel seitens des Einzelhandels durchaus berechtigt, mit ernst zu nehmenden finanziellen Einbußen zu rechnen. Diese machen sich natürlich bei den täglichen Einnahmen bemerkbar. Denn wenn das ausgebildete Verkaufspersonal zusätzliche Zeit aufbringen muss, um Lehrlingen Wissen zu vermitteln oder deren Aufgaben zu übernehmen, kann sich nicht um Kunden gekümmert werden. Eben diese gehen dann schneller wieder, bleiben kürzer und kommen möglicherweise nicht noch einmal wieder. Da ist es für den Betrieb auch nicht nützlich, dass die modernsten Registrierkassen, Gastronomiekassen oder Netzwerksysteme vorhanden sind. Denn ausbleibende Kunden bringen keinen Umsatz, der belegt und in der Buchhaltung verbucht werden muss. Andererseits gibt es auch Auszubildende die mit guten Vorkenntnissen in die Ausbildung starten, dann aber von Vorgesetzten und Ausbildern ausgebremst werden. Diese Azubis erkennen ihre Situation durchaus zu Recht als problematisch und befürchten, dass sie Ihre Ausbildung gar nicht oder nur ausreichend oder mangelhaft beenden können. Auch dies dürfte sich negativ auf die Umsätze in Handel und Gastronomie bemerkbar machen. Denn auch unzufriedene Lehrlinge können das Betriebsklima verschlechtern, was wiederum die Kunden spüren. Und auch so kann der Tagesumsatz in der Kasse immer schlechter werden und über kurz oder lang ist betriebswirtschaftlich nichts mehr als die Schließung des Betriebes möglich. Trotzdem finde ich es gut und wichtig, dass möglichst viele Betriebe – egal in welcher Branche – ausbilden.
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